Maimuna Mosser, Chief Business Development Officer bei IKEA Austria: Trotz Corona-Krise blicken wir positiv in die Zukunft

Sie ist für die strategische Geschäftsentwicklung von IKEA Österreich verantwortlich. ABW sprach mit der Managerin über Umsatzrekorde, Nachhaltigkeitspläne und veränderte Kundenbedürfnisse.

 

Ein Blick zurück auf das Geschäftsjahr 2020 – Ihr Résumé?

Wir waren wie so viele andere in diesem Jahr mit unzähligen Herausforderungen durch die Coronakrise konfrontiert. Unsere Einrichtungshäuser waren sieben Wochen lang geschlossen – eine Bewährungsprobe, die wir gemeinsam und weil wir alle an einem Strang gezogen haben, gemeistert haben. Als wir dann Anfang Mai wieder unsere Tore öffnen konnten, waren wir erleichtert: Denn die Woche nach dem Lockdown, Anfang Mai, war die Beste aller Zeiten in Österreich. Der Umsatzausfall während der Corona-bedingten Schließung konnte in dem Zeitraum von Anfang Mai bis Ende August aufgeholt und sogar ausgebaut werden. 

Wir sind über den Geschäftsverlauf sehr zufrieden – vor allem, weil wir keine Verluste hinnehmen mussten. Wir wachsen, erweitern unser Team und suchen auch laufend nach neuen Talenten – dafür sind wir in Zeiten wie diesen sehr dankbar. Natürlich ist uns bewusst, dass wir uns immer noch in der Coronakrise befinden, wir blicken dennoch zuversichtlich und mehr als positiv in die Zukunft. 

Wie stark ist die Möbelbranche von der Krise betroffen? 

Die Möbelbranche hat nicht zwingend unter der Coronakrise gelitten. Die Krise hat vor allem das sich bereits verändernde Kaufverhalten der Österreicher verstärkt: Dieses wird immer digitaler. Bei uns kam es während Corona zu regelrechten „Peaks“ im Online-Einkauf, was sich nun auf höherem Niveau wieder stabilisiert hat – mit der Tendenz zu weiterem Wachstum. Neu etablierte Services wie „Remote Planning“ (Küchenplanung) sowie „Click & Collect“ (online Einkaufen/Bezahlen mit kontaktloser Abholung) wurden positiv angenommen und beibehalten. Auch der neue Service „Click & Collect in deiner Nähe“ in Kooperation mit Billa wird gerade erfolgreich in Salzburg und Oberösterreich getestet. 

Nachhaltigkeit ist das Thema für Ikea und wird auch entsprechend stark werblich kommuniziert. Was ist in diesem Bereich noch geplant?

Unser „People & Planet Positive“ Konzept, das die nachhaltige Zielsetzung des Unternehmens definiert, sieht vor, dass IKEA bis 2030 ein klimapositives Unternehmen wird. Um das zu erreichen ist beispielsweise die Umstellung auf eine Lieferung mit Elektro-Trucks geplant. Bis 2025 soll jede Kundenlieferung CO2-neutral erfolgen. Besonderes Augenmerk liegt auch auf den neuen Standorten und Bauprojekten.

Das Logistikzentrum in Strebersdorf wurde mit der modernsten und nachhaltigsten Technik ausgestattet: größter Eisspeicher Mitteleuropas, hocheffiziente Luftwärmepumpen, Photovoltaik-Anlagen. Selbiges gilt für das urbane IKEA Einrichtungshaus am Westbahnhof, das 2021 fertiggestellt wird. IKEA am Westbahnhof ist ein Vorzeigeprojekt in Sachen Nachhaltigkeit: autofrei und mitten in der Stadt, spart er rund 350.000 Autofahrten, also 1.000 Tonnen CO2, gegenüber einem herkömmlichen Einrichtungshaus. Durch Begrünung der Fassaden und Ansiedlung von Vögeln und Bienen trägt er positiv zum Mikroklima und zur innerstädtischen Biodiversität bei.

Wir möchten zum Thema Nachhaltigkeit über das Jahr verteilt verschiedene Aspekte beleuchten und so die Menschen in Österreich inspirieren und motivieren, ihren Alltag nachhaltiger und gesünder zu gestalten. Damit auch unsere Konsumenten wissen, wo Nachhaltigkeit bei IKEA drin ist.

Denn die hat viele Gesichter und hört nicht bei unseren Produkten auf. Beispiele dafür waren die Grüntage im September, wo wir in allen IKEA Restaurants, Bistros und Cafésbars nur Gerichte ohne Fisch und Fleisch serviert haben. Ziel war es, unsere Kunden darauf aufmerksam zu machen, dass jeder und jede Einzelne einen Beitrag leisten kann, um unseren Planeten nachhaltiger zu gestalten. Wir planen auch beliebte und bewährte Services zur Kreislaufwirtschaft, wie etwa „IKEA Zweites Leben“, weiterzuentwickeln, zu fördern und auszubauen, um Kunden dazu zu animieren, gebrauchte IKEA Möbel zurückzubringen. 

Wie viele City-Standorte sind in Österreich geplant?

Ob und wo weitere City-Standorte geplant sind, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Unser Hauptaugenmerk liegt zurzeit auf dem Projekt IKEA am Westbahnhof. Es gibt in der gesamten IKEA Welt noch nichts Vergleichbares. IKEA macht Wien weltweit zum Vorreiter: Am Westbahnhof entsteht bis 2021 ein siebengeschoßiges, innovatives, einladendes Einrichtungshaus mit begrünten Fassaden und viel Raum für die Menschen – von ansprechender Gastronomie über ein Hostel, dazu Treffpunkt für Gäste und Einheimische werden soll bis zur begrünten Dachterrasse, die auch für Nicht IKEA Kunden zugänglich ist. Damit gehen wir gezielt auf die aktuellen Megatrends ein und berücksichtigen das dramatisch geänderte Einkaufsverhalten ebenso wie eine neue Form von Mobilität ohne Auto. 

Welche Strategien/Pläne im Marketingbereich gibt es für die Zeit nach Corona?

Unser Fokus liegt jetzt ganz stark darauf, auf die veränderten Bedürfnisse der Kunden einzugehen. Sei es ein IKEA mitten in der Hauptstadt am Westbahnhof, ein Planungsstudio in Dornbirn oder die Kooperation mit Billa ‚Click & Collect in deiner Nähe’ in Salzburg und Oberösterreich – wir wollen näher an die Kunden rücken. 

Ihre Vorsätze und Wünsche für 2021?

Die Coronakrise hat von uns einiges gefordert. Dennoch kann man sagen, dass wir alle viel Neues gelernt haben – über uns als Unternehmen, aber auch als Menschen. Wir haben bewiesen, was wir gemeinsam mit Zusammenhalt und Solidarität schaffen können. Diese Einstellung möchte ich mir auch im nächsten Jahr beibehalten. Als Unternehmen sehen wir uns für die anstehenden Herausforderungen gerüstet. Wir werden auch im nächsten Jahr näher an die Kunden rücken und unsere Rolle als Multichannel-Retailer ausbauen.

Foto: Ikea 


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