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Mag. Silvia Emrich, Zürich Versicherung: Auf Erfolgskurs mit gemischten Teams

Sie kennt die Branche seit Jahrzehnten und ist ihrem Unternehmen stets treu geblieben. Ein Austrian Business Woman-Interview mit Mag. Silvia Emrich, CFO Zürich Versicherung, über Frauenförderung, Finanzen und Chancen im Vertrieb.

Bei unserem letzten Interview erzählten Sie uns, dass Sie Sponsorin des internen Frauennetzwerkes sind – wie sieht es derzeit hinsichtlich der Gleichstellung bei Zurich aus? 

Bei Zurich ist die Gleichstellung von Frauen und Männern selbstverständlich. Wir tun wirklich viel dafür, um für Frauen und Männer die gleichen Karrierechancen zu schaffen. Beispielsweise bieten wir Home Office, sorgen für Kinderbetreuung in den Ferien und unterstützen die Väterkarenz. Auch bei den Veranstaltungen unseres internen Frauennetzwerks setzen wir uns immer wieder mit Themen auseinander, die die Chancen von Frauen – und auch Männern – fördern. Als Sponsorin freue ich mich, dass wir so zum „inklusiven“ Miteinander beitragen.

Für unsere Aktivitäten wurden wir vor einiger Zeit von der unabhängigen Organisation EDGE ausgezeichnet. EDGE ist ein global anerkanntes Zertifizierungssystem für die Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsplatz. Als Zurich Österreich sind wir das erste österreichische Unternehmen, das sich dem Zertifizierungsprozess unterzogen hat und haben gleich auf Anhieb die Mittelstufe erreicht. Darauf sind wir stolz.

Wie hoch ist der Frauenanteil in der zweiten Führungsebene – ist dieser gestiegen?

Wir haben bei Zurich insgesamt einen hohen Frauenanteil. Das spiegelt sich auch bei den Führungskräften wider. In unserem fünfköpfigen Vorstandsteam sind wir mit zwei Frauen gut vertreten. In der zweiten Führungsebene sind mehr als ein Drittel aller Positionen weiblich besetzt. Das war nicht immer so – vor zehn Jahren war die Situation noch anders, da war der Frauenanteil nicht so hoch. Diese Diversität tut uns als Unternehmen gut, denn gemischte Teams bringen bessere Ergebnisse. 

Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich als CFO momentan konfrontiert? Welchen Einfluss hat die EZB-Zinspolitik auf Versicherungsprodukte?

Es gibt ein paar Themen, die große Aufmerksamkeit brauchen. Zum Beispiel haben sich die regulatorischen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren erheblich geändert, was die gesamte Organisation, aber im Besonderen den Finanzbereich sehr fordert. Das haben wir zum Anlass genommen, interne Prozesse zu hinterfragen und neu zu gestalten. Immer knappere Abgabetermine für das umfangreiche Berichtswesen rücken die Themen Automatisierung und Digitalisierung noch stärker in den Fokus. Dann sind die Vorbereitungen auf die Einführung von IFRS17 – das neue internationale Regelwerk für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen – in vollem Gange. Das stellt nicht nur die Finanz-IT-Systeme auf die Probe, sondern erfordert auch spezielles Expertenwissen. Oder die Situation auf den Kapitalmärkten, die sich im letzten Jahrzehnt radikal gewandelt hat. Wer hätte erwartet, dass wir über so viele Jahre mit einem derart niedrigen Zinsniveau konfrontiert sein werden? Wir müssen uns daher laufend neue Wege überlegen, wie wir auf dem Kapitalmarkt zum Wohle unserer Kundinnen und Kunden agieren. Mit einem offenen Blick und innovativen Ansätzen lässt sich aus jeder Situation etwas Gutes machen.  So sehe ich auch die aktuelle Situation.

Wie erreichen Sie die Zielgruppe der jungen Menschen, womit sprechen sie diese an?

Die junge Generation stellt für uns in mehrerer Hinsicht eine wichtige und interessante Zielgruppe dar. Auf der einen Seite wollen wir sie natürlich als Kundinnen und Kunden gewinnen. Auf der anderen Seite sind wir als Arbeitgeber an jungen Menschen interessiert. Und wir bieten viele attraktive Berufsbilder, die man spontan einer Versicherung gar nicht zuschreiben würde. So suchen wir beispielsweise immer wieder Naturwissenschaftlerinnen, die sich im Risk Engineering spezialisieren wollen. Auch der Vertrieb, der leider noch immer hauptsächlich eine Männerdomäne ist, bietet für junge Frauen interessante Chancen. Frauen bringen dafür andere Qualitäten als Männer mit und können aufgrund der freien Zeiteinteilung in diesem Berufsfeld Familie und Job ideal verbinden.

Junge Kundinnen und Kunden erwarten von ihrem Versicherer dasselbe wie von anderen Unternehmen: Einfachheit, Transparenz, Komfort. Dabei spielt natürlich das Internet eine große Rolle. Wir zählen auf diesem Gebiet zu den Vorreitern und bieten schon seit fast 20 Jahren einige Produkte über das Internet an. Gerade bei komplexeren Versicherungsprodukten ist aber die Beratung immer noch essenziell. Und hier ist es wichtig, dass im Beratungsgespräch auf die individuelle Lebenssituation eingegangen wird. 

Wie wichtig ist das Thema „Altersvorsorge/Pflege“ für Ihr Unternehmen?

Die individuelle Altersvorsorge wird immer wichtiger, ganz besonders für Frauen. Denn für Frauen liegt die durchschnittliche Höhe der staatlichen Pension bei nur rund 1.100 Euro. Das ist kaum ausreichend, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Frauen tun also gut daran vorzusorgen. Wir sehen es daher als unseren gesellschaftlichen Auftrag, unsere Kundinnen umfangreich aufzuklären. Und eine Vorsorge kann sich jede Frau leisten. Schon mit einem kleinen monatlichen Betrag kann ein Polster aufgebaut werden, der vor Altersarmut schützt.

Sie sind seit 32 Jahren in der Versicherungsbranche, haben eine eindrucksvolle Karriere gemacht – das Geheimnis Ihres Erfolges?

Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Kreativität waren mir schon immer wichtig, auch bei der Berufswahl. Während des Studiums entdeckte ich meine Neugier für das Thema „Versicherungen“ und so stieg ich nach dem Studium im Finanzbereich beim innovativsten Versicherer der Zeit ein – bei Zurich. Über die Jahre habe ich viele verschiedene Aufgabenbereiche übernehmen dürfen und vielfältige Erfahrung, auch im Ausland gesammelt. Was mir dabei geholfen hat? Das waren jedenfalls meine ungebrochene Neugier, ein großes Durchhaltevermögen, Selbstvertrauen und der Ansporn, weiterzukommen.

Foto: Zürich Versicherungs-Aktiengesellschaft

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