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Sicherheitsfalle Videokonferenz: Worauf Sie unbedingt achten sollten

Unternehmen und Privatpersonen haben in den letzten Wochen einen Großteil ihrer Tätigkeiten ins Internet verlegt. Wie sicher die online Lösungen, die wir nutzen, eigentlich sind und worauf wir besonders achten sollten, weiß IT Professor Christian Büll.

Seit zwei Monaten ist das Homeoffice zu einem fixen Bestandteil unseres Arbeitslebens geworden. Von heute auf morgen haben wir Tools in unsere Abläufe integriert, die wir davor bestenfalls vom Hörensagen kannten. Dabei reicht die Palette von webbasierten Videokonferenzsystemen über Chat-Lösungen bis hin zu Lösungen, um Teamarbeit in verteilten Teams zu ermöglichen. „Oftmals erfolgte die Auswahl dieser Tools unter Zeitdruck, ohne Festlegung und Evaluierung notwendiger Kriterien, so frei nach dem Motto – ich kenne jemanden, der hat das auch im Einsatz, und das funktioniert sehr gut“, konnte IT Experte Christian Büll beobachten. Er leitet das Department Informationstechnologien und Informationsmanagement an der FH Burgenland und mahnt Anwenderinnen und Anwender zur Vorsicht.

Zugegeben - ohne Informatik-Ausbildung ist es heute in der Tat sehr schwer, aus der Vielzahl der angebotenen Softwarepakete die passende Lösung auszusuchen. Dabei seien schon ein paar einfache Fragestellungen hilfreich, um mit gutem Gewissen die passende Lösung, beispielsweise für ein webbasiertes Videokonferenzsystem, zu finden.

Frage 1: Will ich proprietäre Software, oder doch quelloffene Software nutzen?

„Diese Frage beschäftigt die Informatik, seit es Software gibt“, so Büll. Unter proprietärer Software sind Produkte gemeint, deren Programmcode nicht der Allgemeinheit zur Verfügung steht. Diese Lösungen sind in vielen Fällen kostenpflichtig, dafür ist die Weiterentwicklung durch den Anbieter gewährleistet. Quelloffene Software dagegen wird durch eine Community (weiter)entwickelt und ist als Open Source-Programm ohne Lizenzkosten verfügbar. So die Möglichkeit dazu besteht, würde der FH Experte hier zu quelloffener Software greifen.

Frage 2: Wie hoch ist mein Sicherheitsbedürfnis?

Dass Benutzerdaten widerrechtlich und ohne Einwilligung an Hersteller oder, noch schlimmer, an (verbundene) Unternehmen weitergegeben werden, ist für uns zur traurigen Realität geworden. „Daten sind das neue Zahlungsmittel, daher haben Hersteller hohes Interesse, ein möglichst genaues Profil ihrer Nutzer zu erhalten“, erklärt Christian Büll. Es sei daher besonders wichtig, sich im Vorfeld ein eigenes Bild über den Anbieter und seine Produkte zu verschaffen und dann zu versuchen daraus zu schließen, wie vertrauenswürdig ein Hersteller bzw. seine Produkte erscheinen. „Open Source-Lösungen haben hier sicher einen Vorteil auf Grund der Offenlegung des Programmcodes“, meint Büll.

Frage 3: Wie viel Geld möchte ich ausgeben?

„Was nichts kostet, ist nichts wert“ – wer sich für kostenfreie Lösungen entscheidet, sollte sich vorab Gedanken darüber machen, wo hier der vermeintliche Haken liegt. „Wie schon erwähnt sind Daten oftmals die Währung der Softwareunternehmen. Wer also eine scheinbar kostenfreie Software einsetzt, sollte sich Gedanken machen, wie kommerzielle Unternehmen wie Google, Facebook & Co die Herstellung und Weiterentwicklung der Software finanzieren“, regt Büll an. 

Frage 4: Welche Software deckt meine inhaltlichen Bedürfnisse ab?

„Ich kann mit gutem Gewissen behaupten, dass beispielsweise webbasierte Videokonferenzsysteme heute alle auf einem technischen und funktionalen Stand sind, der die Anforderungen abdeckt“, so der Experte. Unterschiede seien hier nur in der Bedienung und marginal in der Funktionalität zu finden. Umso mehr gilt es zu klären, welche Anbieter (kostenfreier) Lösungen vertrauenswürdig erscheinen und welche nicht.

Kurz zusammengefasst

Möchte ich dem Mainstream folgen und auf Nummer Sicher gehen, dann sind kommerzielle Lösungen sicher eine gute Variante. Möchte ich eine lizenzkostenfreie Lösung, dann sind OpenSource-Produkte eine Alternative. Wähle ich eine kostenfreie, aber nicht quelloffene Lösung, dann muss ich mir gewisser Sicherheitsrisiken bewusst sein.

Foto: Shutterstock/Chaay_Tee

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